ElringKlinger scheint die Krisenlektion gelernt zu haben: Für das dritte Quartal 2009 musste das Unternehmen zwar einen Umsatzrückgang von fast 13 Prozent bilanzieren. Doch vor Steuern und Zinsen verdiente das MDax-Unternehmen dennoch mehr als im Vorjahreszeitraum: Nach 17,6 Millionen Euro im Vorjahr lag die Ergebnisgröße im dritten Quartal 2009 bei erstaunlichen 20,3 Millionen Euro. Netto blieben mehr als zwölf Millionen Euro in der Kasse.
Alt und familiengeführt
Auf der Unternehmenspräsentation seines Unternehmens beim Eigenkapitalforum hob Manager Stephan Haas in fließendem Englisch aber zwei andere Details hervor: "Unser Unternehmen ist 134 Jahre alt, und es noch immer mehrheitlich im Familienbesitz." Ein größerer Vertrauensbeweis ist derzeit in der krisengeschüttelten Finanzwelt wohl kaum möglich.
Er wiegt offenbar noch schwerer als die erfolgreiche Expansion des Konzerns in den vergangenen Jahren. ElringKlinger fungiert als Entwicklungspartner und Ausrüster für Zylinderkopf- und Spezialdichtungen, Gehäusemodule und Abschirmteile für Motor und Getriebe, und das inzwischen global.
Niveau der 50er Jahre
Dass dies in den vergangenen Monaten kein Geschäft ungetrübter Freude war, räumt Haas unumwunden ein: "Wir haben einen Rückgang in der Autoproduktion erlebt, der uns bis auf das Niveau der 50er Jahre zurückgeworfen hat." Betroffen davon waren vor allem zwei der größten Kunden des Unternehmens, die US-Hersteller Ford und General Motors.
Warum ElringKlinger trotzdem operativ weiterhin profitabel ist? "Wir haben unsere Kostenstrukturen verbessert, Personal abgebaut und von günstigeren Materialpreisen profitiert", so Haas. Die Krise in der Automobilindustrie werde noch auf Jahre hinaus zu spüren sein, so der Manager. Erst in zwei bis drei Jahren werde man wieder das Produktionsniveau des Rekordjahres 2007 erreichen.
Weniger Gewicht ist weniger Emission
Doch bis dahin gibt es für ElringKlinger viel Marktmacht zu erobern. "Wir sind unserer Konkurrenz bei vielen Produkten technologisch einen Schritt voraus", betont Haas und führt fast euphorisch technische Errungenschaften seines Unternehmens vor: Zum Beispiel die Fähigkeit, mit seinen Produkten wie Kunststoffmodulen zur Gewichtsreduzierung und damit zur CO2-Einsparung bei Autos beizutragen. Die internationale Entwicklung scheint dem Unternehmen dabei direkt in die Hände zu spielen. "Auch in China werden bald immer strengere Abgasnormen zu erfüllen sein."
Gewichts- und CO2-Verringerung sind auch durch immer kleinere Motoren zu erreichen. Die allerdings produzieren immer höhere Temperaturen und Leitungsdrücke auch hier will ElringKlinger mit seinen Dichtungen und Abschirmtechniken wie Hitzeschilden vom den Trend profitieren.
Margen sollen weiter steigen
Das Wachstum wird laut Stephan Haas in den kommenden Jahren vor allem aus China aber auch den asiatischen Staaten wie Malaysia oder Thailand kommen. Dort seien die Käufer ähnlich markenbewusst wie die Europäer.
Die Ziele, die sich ElringKlinger für die nähere Zukunft gesetzt hat, sind bereits wieder ambitioniert: 2009 sollen die Erlöse bei 540 bis 580 Millionen Euro liegen, die Marge auf Basis des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit-Marge) soll zwischen acht und zehn Prozent liegen. Mittelfristig, so ist sich Manager Haas sicher, können Investoren aber wieder mit Margen um 15 Prozent rechnen. Die Krise scheint aus Sicht des MDax-Unternehmens nur eine Episode zu sein.
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