Noch wirkt die Krise nach, das muss auch Reto Francioni einräumen. Der Chef der Deutschen Börse, die zusammen mit der KfW zum Stelldichein der Finanzwirtschaft in Frankfurt eingeladen hat, spricht aber nur noch von einer "Konjunktureintrübung". Die sei zwar "nicht ohne Auswirkungen auf die Börsengänge in Deutschland und Europa" geblieben, so Francioni in seiner Begrüßungsrede am Montag. Doch immerhin habe es einschließlich des Open Market schon 43 Erstnotizen im laufenden Jahr gegeben. Und das Volumen der Kapitalerhöhungen von deutschen Konzernen habe mit 15 Milliarden Euro bislang schon ermutigende Signale gesendet.
Staatshilfe "nicht durchzuhalten"
Dass Eigenkapital zur Unternehmensfinanzierung wieder im Trend liegt, glaubt Francioni fest, die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen, wie sie der Bankensektor in den vergangenen Monaten erfahren habe, sei "auf Dauer nicht durchzuhalten".
Zumindest die Zuhörer im vollbesetzten "Saal Frankfurt" scheinen ihm recht zu geben. Mit mehr als 5.000 Teilnehmern hat das Eigenkapitalforum, nach Lesart der Veranstalter das führende seiner Art in Europa, auch im dreizehnten Jahr seines Daseins nicht an Zuspruch verloren.
Indexunternehmen geben sich Stelldichein
Die Unternehmen, die sich auf einer Vielzahl von Investorenkonferenzen den Fondsmanagern, Private Equity-Firmen und Analysten präsentieren, stammen längst nicht mehr nur aus den hinteren Reihen der deutschen börsennotierten Unternehmen. So schickt das ehemalige Dax-Unternehmen Continental ebenso hochkarätige Manager in die Gesprächsrunden mit den Finanzprofis wie eine Reihe anderer MDax-Konzerne, etwa der Autozulieferer ElringKlinger oder die Kupferhütte Aurubis. Andere, wie die Fluggesellschaft Air Berlin, der Kranspezialist Demag Cranes oder der Mischkonzern Kuka, stellen sich den Fragen von Investoren zumindest in "One-on-one-Gesprächen".
Schwarze Zahlen und geringe Verschuldung gefragt
Aus Investorensicht sind anno 2009 vor allem Fragen nach der Profitabilität während der Krise und dem Schuldenstand der Firmen von hohem Interesse. Wer es geschafft hat, in den vergangenen Quartalen in den schwarzen Zahlen zu bleiben oder sie zumindest wieder zu erreichen, dürfte bei den Profianlegern die besten Chancen auf neue Engagements haben.
Fragen nach der Höhe der Verbindlichkeiten der Konzerne, wie sie auf den einzelnen Präsentationen immer wieder gestellt werden, zeigen, dass es immer noch schwierig ist, sich als Unternehmen zu refinanzieren, das räumen auch die Vorstände der Konzerne selbst ein.
Der Trend in der globalen konjunkturellen Entwicklung scheint wieder nach oben zu zeigen, Geld ist trotzdem für die Unternehmen weiterhin nicht leicht zu beschaffen. So resümiert denn auch Ulrich Schröder, Chef der KfW in seiner Begrüßung: "Das Jahr 2009 bedeutet nicht das Ende der Bankenkrise."
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