Die größte deutsche Bank gehöre zwar zu den stärkeren Finanzkonzernen weltweit, sagte Ratingexperte David Fanger. Doch von den drohenden Kreditausfällen der Unternehmen könne sie sich nicht abkoppeln. Viele Firmen können nämlich wegen der Rezession ihre Raten nicht mehr zurückzahlen. Das Kreditbuch der Deutschen Bank zeige gewisse Schwächen, urteilte Moody's. Zudem gehen die Experten davon aus, dass die Deutsche Bank und andere Institute weltweit in den kommenden Quartalen mit einer zunehmend schlechteren Qualität von Vermögenswerten konfrontiert werden.
Deshalb überprüft die Ratingagentur nun die Bonität der Bank und schließt auch eine Herabstufung nicht aus. Die Finanzstärke der Deutschen Bank bewertet Moody's derzeit mit der Note "B". Das Langfristrating steht noch auf der zweithöchsten Stufe "Aa1". Keine andere der größeren heimischen Banken kann derzeit eine solch gute Bonität aufweisen.
UBS bereits schlechter benotet
Bereits gestern hatte Moody's das Rating für die Schweizer Großbank UBS um eine Stufe auf Aa3 von Aa2 zurückgenommen. Die immer noch defizitäre Bank sei mit einem Verlust an Kundenvertrauen und rückläufigen Erträgen im Investmentbanking konfrontiert, begründete die Ratingfirma ihren Schritt. Für die betroffenen Geldhäuser ist ein solcher Schritt ein schmerzlicher Einschnitt, verteuert er doch deren Refinanzierung und erschwert viele Geschäfte auf den Finanzmärkten.
2010 mit vielen Herausforderungen
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann räumte auf dem Bankenkongress in Frankfurt ein, dass ihm die steigenden Kreditausfälle durchaus Sorgen machen. Er prophezeite deshalb für das kommende Jahr weitere Belastungen für die Bankenbranche. "2010 wird ein Jahr, in dem wir mit vielen Herausforderungen zu tun haben werden", sagte er. Die Wirtschaftskrise werde sich auf die Kreditbücher auswirken.
Andererseits liege inzwischen "das Schlimmste hinter uns", meinte er aufg dem Kongress, der unter dem sinnigen Motto "Nach der Krise" stand. Dank der Hilfe des Staats sei die Situation unter Kontrolle. Positiv wirke sich aus, dass viele Konkurrenten vom Markt verschwunden seien.
Schäuble: Krise noch nicht vorbei
Spitzenpolitiker und Notenbanker warnten jedoch Ackermann & Co, leichtfertig wieder zur Normalität zurückzukehren. Niemand sollte glauben, die Krise wäre schon vorbei, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in Frankfurt. Neue Blasen könnten rasch entstehen, warnte er. Er wiederholte die Forderung, dass die Kreditinstitute künftig mehr Eigenkapital vorhalten müssten.
Ackermann fürchtet deshalb, dass er sein Renditeziel von 25 Prozent aufgeben muss. Sollten die Eigenkapitalvorschriften verschärft werden, wie dies geplant ist, werde es "wohl schwieriger", sagte Ackermann der "Süddeutschen Zeitung". Die 25 Prozent seien aber kein Wert an sich. Ziel sei es, zu den besten Banken der Welt zu zählen. "Wenn für alle Marktteilnehmer andere Voraussetzungen gelten, ändert sich womöglich die Messlatte für die Besten."
Mehr Eigenkapital, weniger Gewinne
In den vergangenen Wochen hatte Ackermann bereits betont, dass strengere Eigenkapitalvorschriften zu Lasten der Gewinne gingen. Die G-20-Staaten haben sich grundsätzlich darauf verständigt, dass Banken künftig stärker kapitalisiert sein müssen. Dadurch soll eine weitere Finanzkrise vermieden werden. Die genauen Regelungen stehen indes noch nicht fest.
Seine Idee eines Notfallfonds, in den Banken und Staat einzahlen, verteidigte Ackermann: "Viele Kritiker gehen von der unrealistischen Annahme aus, eine systemische Bankenkrise lasse sich ohne staatlichen Mitteleinsatz lösen", so der Bankchef. Das widerspreche jeder historischen Erfahrung. Denn eine systemische Krise sei gerade dadurch gekennzeichnet, dass sie nicht von dem betroffenen Sektor allein gelöst werden könne.
Ukraine-Sorgen drücken Finanztitel
Die Aktie der Deutschen Bank gab am Freitag um über zwei Prozent nach und gehörte zu den größten Dax-Verlierern. Die Titel der Commerzbank büßten über drei Prozent ein. Sorgen über die ukrainischen Staatsschulden drückten die Finanzwerte europaweit nach unten. Die bereits in der letzten Woche aufgekommenen Probleme mit einer 550-Millionen-Dollar-Anleihe der ukrainischen Staatsbahn beunruhigten erneut die Anleger.
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