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04.02.2010 18:01
Skepsis trotz Milliardengewinns der Deutschen Bank
Die Deutsche Bank hat die Finanzkrise abgeschüttelt und 2009 wieder einen Gewinn von fünf Milliarden Euro eingefahren – dank üppiger Erträge im Investmentbanking. Doch erste Bremsspuren im Handelsgeschäft stimmen Experten skeptisch, dass es 2010 so weitergeht.
Deutsche Bank Zentrale Frankfurt (Quelle: Unternehmen) Deutsche Bank-Zentrale in Frankfurt 

Bank-Chef Josef Ackermann räumte ein, dass 2010 der Rückenwind nachlasse. "Wir sollten uns nicht in falscher Sicherheit wiegen", mahnte er. Der Schweizer warnte vor Risiken wie die hohe Staatsverschuldung und die schärferen Eigenkapitalvorschriften.

Verdoppelung des Gewinns bis 2011?
Trotzdem hält es Ackermann für möglich, bis 2011 den Vorsteuergewinn auf zehn Milliarden Euro zu verdoppeln. Mittelfristig peilt er weiterhin eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent an. Im vergangenen Jahr lag sie bei 15 Prozent.

2009 bezeichnete Ackermann als "Übergangsjahr" auf dem Weg zurück in die Normalität. Doch selbst in einem solchen Jahr verdiente der Branchenprimus wie einst zu besten Zeiten vor der Krise. Unterm Strich fuhr das größte deutsche Geldhaus einen Gewinn von fünf Milliarden Euro ein. Analysten hatten lediglich mit 4,4 Milliarden Euro gerechnet. Im Vorjahr hatte die Bank erstmals in ihrer Geschichte ein Minus von 3,9 Milliarden Euro erlitten.

Diese positive Überraschung erklärte die Bank mit einem Steuereffekt. Vor Steuern verdiente das Geldinstitut mit 5,2 Milliarden Euro etwas weniger als erwartet.

Milliardenerträge mit Anleiheflut
Zwei Drittel der Gewinne kamen aus dem Investmentbanking-Sparte. Vor allem das Emissionsgeschäft mit Anleihen klammer Staaten und Firmen spülte satte Erträge in die Kassen.

Auch die anderen Sparten waren allesamt profitabel. Milliardengewinne konnten hier freilich nicht erzielt werden. Selbst im Privatkundengeschäft halbierte sich das Ergebnis auf 458 Millionen Euro. "Die stabilen Geschäftsfelder haben sich in der Krise anfälliger gezeigt als gedacht", räumte Bankchef Ackermann ein. Er sei aber zuversichtlich, dass diese Segmente wieder an frühere Milliardenergebnisse anknüpfen könnten.

Sparkassen-Kunden im Visier
Nach der Übernahme der Privatbank Sa. Oppenheim und der Beteiligung an der Postbank will die Deutsche Bank das Geschäft mit Privatkunden und der Vermögensverwaltung ausbauen. Vor allem den Sparkassen sollen Kunden abgejagt werden. Weitere Zukäufe schloss Ackermann vorerst aus.

Das Gros der Gewinne soll freilich auch 2010 aus der Investmentbanking-Sparte fließen. Das günstige Marktumfeld werde so schnell nicht zurückkehren, gab Ackermann zu. Sein Haus werde dies aber durch Zuwächse in anderen Bereichen, etwa in Asien und im Rohstoffgeschäft, wettmachen. "Wir sind zuversichtlich, Profitabilität und Ergebnisqualität im Investmentbanking noch weiter zu steigern zu können", verkündete der Schweizer.

Enttäuschendes Handelsergebnis im vierten Quartal
Dass hier aber die Bäume nicht in den Himmel wachsen, zeigen die Zahlen zum vierten Quartal. Beim Handelsergebnis wurde mit 756 Millionen Euro deutlich weniger verdient als erwartet. Das Geldinstitut litt unter den Kosten für die britische Bonussteuer. Ackermann wollte hier allerdings keinen Trend nach unten sehen. Bereits im Januar habe sich das Handelsergebnis wieder sehr positiv entwickelt, meinte er.

Dividende wird nur leicht angehoben
Die Stärkung der Kapitalkraft sieht Ackermann für die nahe Zukunft als oberste Priorität. Deshalb soll die Dividende trotz des hohen Milliardengewinns im abgelaufenen Jahr nur leicht um 25 Cent auf 75 Cent je Anteilsschein erhöht werden. Im abgelaufenen Jahr konnte das Geldinstitut seine Kapitaldecke aufstocken. Die Kernkapitalquote des deutschen Branchenprimus lag Ende Dezember bei 12,6 Prozent nach 10,1 Prozent zum Jahresende 2008.

Auch in die Boni-Diskussion mischte sich Ackermann ein. Er präsentierte das neue Vergütungssystem. Die Boni sollen gesenkt und dafür die fixen Gehaltsbestandsteile erhöht werden. Boni sollen über mehrere Jahre gestreckt werden und im Fall von Verlusten auch zurückgefordert werden können. "Neben Boni in guten Zeiten wird es auch Mali in schlechten Zeiten geben." Im Schnitt verdiente jeder der 77.053 Beschäftigten der Deutschen Bank - vom hochrangigen Investmentbanker bis zum Kundenberater – knapp 147.000 Euro.

Aktie auf Berg- und Talfahrt
Die Börsianer hatten erhebliche Mühe, die Zahlen zu interpretieren: Die Aktie legte eine Berg-und Talfahrt hin. Am Ende schloss sie drei Prozent tiefer.

Experten wie Konrad Becker, Bankanalyst von Merck Finck zeigten sich skeptisch über die ehrgeizigen Ziele der Deutschen Bank. "2010 wird kein einfaches Jahr für die Bank", sagte er. Der Analyst rechnet mit einem Gewinnrückgang.  Von Äpfeln und Birnen.

nb
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